Eingrenzung von Pflanzenschädlingen in einem Kleingarten mit biologischen Mitteln

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Im Juni 2008 wurde ich von Freunden zu Rate gezogen um eine Blattlausinvasion in ihrem Kleingarten zu stoppen. In der betroffenen Kleingartenanlage dürfen nur biologischen Mitteln für die Bekämpfung von Schädlingen angewandt werden.

Dieser Bericht beschreibt den Umfang des Befalls, die betroffenen Maßnahmen, die Ergebnisse, die Grenzen dieses Einsatzes sowie zusätzliche Maßnahmen, die getroffen werden sollten, um in der Zukunft solche Extremsituationen zu vermeiden.

Diagnose

Besonders befallen sind die Obstbäume. Die anderen Pflanzen des Gartens zeigen keine auffälligen Krankheitsbilder. Jedoch sind die Blattläuse nicht das einzige Problem:

  • Kirschbaum:
    • Schwarze Bohnenläuse (Aphis fabae) schwächen den Baum indem sie den Saft saugen und viel Honigtau erzeugen, worauf sich Rußtau schnell entwickeln kann, was wiederum die Photosynthese also die Vitalität des Baumes einschränkt.
    • Durch einen sehr starken Bakterienbrand-Befall tragen die Blätter viele braune Flecken sind stark gelocht oder sind ganz ausgetrocknet, die Borke ist an vielen Stellen geplatzt und schwitzt hellgelbe Harz aus.
  • Pflaumenbaum:
    • Hier haben sich Thripse breit gemacht. Obwohl Thripse eine begrenzte Wirkung auf Obstbäume haben, ist es nötig, die Invasion in Griff zu kriegen, da andere Pflanzen im Garten angesteckt werden können, die eine größere Empfindlichkeit vorweisen.
  • Apfelbäume:
    • Obwohl mehlige Apfelblattläuse (Dysaphis plantaginea) weniger invasiv geworden sind als die Schwarze Bohnenläuse auf dem Kirschbaum zeigen die Blätter und Früchte den typischen Schadbild dieses Parasiten: aufgerollte Blätter und violette Flecken auf Blätter und Früchte. Auf Früchte stellt jedoch diese Flecken eher ein ästhetisches Problem als ein gesundheitliches oder qualitatives Problem.

Eine derartige Schädlingsinvasion weist auf einen Mangel an Nährstoffe im Boden hin. Tatsächlich konnte eine Bodenanalyse einen starken Mangel an Kali in der Erde bestätigen. Kali ist für die Pflanzen ein wichtiges Element:

  • um stärkere Zellenwände aufzubauen, was sie gegen Parasiten resistenter macht,
  • für den Wasserhaushalt der Pflanze, was sie resistenter gegen Frost und Dürre macht also weniger anfällig für Bakterienbefall macht,
  • für die Photosynthese und die Bildung von Zucker und Stärke: wenn dies nicht richtig funktioniert sind die Abwehrkräfte der Pflanze beeinträchtigt.

Kurzfristige Maßnahmen

  • Kirschbaum:
    • Da sehr viele Marienkäferlarven und -eier auf dem Kirschbau zu beobachten sind, sind keine besonderen Maßnahmen gegen die Bohnenläuse zu nehmen: Die Marienkäferlarven haben bereits in einem Festmahl weitgehend "aufgeräumt". Dabei handelt es sich um den Zweipunkt-Marienkäfer (Adalia bipunctata), eine besonders gefräßige Marienkäferart. Um Die Bildung von Rußtau zu vermeiden, habe ich Blätter einzeln mit einem Blattdünger (Schachtelhalm-Extrakt) gewaschen, dies aber mit besonderer Vorsicht, um die Marienkäferlarven nicht zu stören und die Marienkäfereier nicht zu zerstören.
    • Gegen Bakterienbrand habe ich stark befallene Blätter und Zweigen abgeschnitten und den Stamm und die Blätter mit Schachtelhalm-Extrakt versetzt mit einigen Tröpfen ätherische Öle (Lavendel, Nelke und Rosmarin) gespritzt, hier wieder mit großer Vorsicht, um die Entwicklung der Marienkäfer nicht zu stören. Es wurde für dieses Mal auf das Zerschneiden der herausquellenden Wunden im Holz verzichtet.
  • Pflaumenbaum:
    • Gegen die Thripse habe ich den Baum kräftig gegossen und mit Wermut-Tee gespritzt, um ihren Appetit zu drosseln.
    • Viele Ameisen sind im Pflaumenbaum anwesend: Da Ameisen Prädatoren von Thripsen sind, sollte Ihre Tätigkeiten nicht gestört werden.
  • Apfelbäume:
    • Hier haben sich auch verzögert Marienkäferlarven entwickelt. Larven, die während der Reinigung des Kirschbaums trotz aller Vorsicht heruntergefallen sind, habe ich auf die Apfelbäume in der Nähe von Apfelblattläuse-Kolonien transferiert.
    • Die Blätter habe ich ebenfalls mit Wermut-Tee gespritzt, um das Appetit der Apfelblattläuse zu drosseln.
  • Für alle Bäume habe ich eine Brennnessel- und Beinwell-Jauche vorbereitet: Brennnessel-Jauche vertreibt saugende Parasiten, indem die Pflanzen sich an Geschmack verändern und die Parasiten sie nicht mehr als Nahrung erkennen (diese Geschmacksänderung ist aber für Menschen nicht bemerkbar), und Beinwell-Jauche ist reich an Kali. Da das Wetter warm war, konnte die Jauche nach einer Woche angewandt werden. Es ist in der Anwendung der Jauche wichtig, um die Bäume herum den Boden zu gießen, so breit wie das Laub breit ist, damit die kleinen Wurzel der Bäume die Jauche aufnehmen können. Für die Jauche habe ich Brennnessel-Granulat aus dem Handel die Beinwell-Pflanzen, die im und außerhalb des Garten wachsen, benutzt.

Wirkung und Grenzen der betroffenen Maßnahmen

Nach schon einigen Tagen hat sich die Population der Thripse um die Hälfte verringert. Die Marienkäferlarven haben weiterhin auf dem Kirschbaum aufgeräumt. Die Population der Apfelblattläuse ist aber stabil geblieben.

Nach einem Monat sind noch wenige Thripsen auf dem Pflaumenbau anwesend, die Blattläuse sind nicht mehr bemerkbar. Nur wenig Spuren des Bakterienbrandes sind an dem Kirschbaum bemerkbar, der jetzt ein schönes, grünes Laub trägt.

Da Maßnahmen zu spät getroffen worden sind, können die Obstbäume dieses Jahr keine oder nur wenige Früchte produzieren und die Äpfel werden noch violette Flecken tragen, in Folge des Blattläuse-Befalls.

Langfristigen Maßnahmen

Um in der Zukunft eine derartige Schädlingsinvasion können einfache Vorbeugemaßnahmen getroffen werden.

Jeden Frühling:

  • Rechtzeitig (März-April) die Erde mit einem Kali-reichen Dünger düngen.

Kali-reiche Dünger aus natürlichen Quellen sind:

  • Beinwell-Jauche
  • Jauche oder Mulch aus Farnkraut
  • Holzasche
  • Schweine- und Geflügelmist, getrockneter Rindermist
  • Algenmehl
  • Knochenmehl

Kali-reiche Dünger aus dem Handel sind:

  • Kalimagnesia
  • Am Ende des Winters (März) den Stamm des Kirschbaums mit Lehm anstreichen, um die Wunden, die sich wegen starke Kontraste zwischen kaltes und warmes Wetter bilden, zu schließen und heilen. Die weiße Farbe des Lehmanstrichs reflektiert die Sonne und mildert somit die starken Temperaturunterschiede.

Allgemein:

  • Nie größere Bodenfläche nackt lassen: wenn eine stelle im Garten vorläufig nicht bewirtschaftet wird, ist es immer noch besser, "Unkraut" darauf wachsen zu lassen:
    • Wenn der Boden ohne Pflanzendecke bleibt, wird der Humusschicht vom Regen weggewaschen und somit alle Nährstoffe, die die Kulturpflanzen für Ihre Gesundheit und Abwehrkräfte brauchen.
    • Ein Boden ohne Pflanzendecke vertrocknet sehr schnell, da das Wasser ungehindert verdampfen kann. Somit auch die kultivierten Pflanzen. Schädlinge, die trockenes Klima lieben, wie Thripse, können sich ungehindert entwickeln. Immer eine Pflanzendecke oder wenigstens eine Mulchdecke auf der Erde lassen.
    • "Unkräuter" bieten ein Lebensraum für Nützlinge wie Marienkäfer oder Florfliegen. Am Besten erlaubt man eine Fläche mit etwas Wildwuchs im Garten. Die Gartenanlage wird von einer Fläche umgegeben, worauf Wildpflanzen frei wachsen können und nur ein- oder zweimal im Jahr gemäht werden. Dies war wahrscheinlich eine rettende Ressource gegen die viele Blattläuse.
    • Eine Pflanzendecke sorgt durch die Lebenszyklen der Pflanzen für die ständige Erneuerung der Humusschicht und einen gesunden Boden (die Bodenfauna findet Nahrung und wandelt Pflanzenabfall in Nährstoffe).
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